Jahresabschluss

Mit dem Jahresabschluss schließen bilanzpflichtige Unternehmen die Buchführung eines Geschäftsjahres ab. Der Jahresabschluss ist Bestandteil der Rechnungslegung des Unternehmens, deren Aufgabe darin besteht, die gesamte betriebliche Tätigkeit für externe Stakeholder (Investoren, Geschäftspartner, Kunden, Gläubiger) zu dokumentieren. Der Jahresabschluss gibt Auskunft über die Ertragslage sowie die finanzielle und gesamtwirtschaftliche Situation des Unternehmens. Außerdem bildet er die Grundlage für die Besteuerung des Unternehmens. Seine Grundsätze werden durch das Handelsgesetzbuch (HGB) geregelt.

Inhaltsverzeichnis

 

Welche Unternehmen müssen einen Jahresabschluss erstellen?

Alle Kaufleute und Unternehmen, die der Pflicht zur doppelten Buchführung unterliegen, müssen zum Ende des Geschäftsjahres einen Jahresabschluss erstellen. Hierzu gehören:

  • Personengesellschaften (GbR, KG, OHG)
  • Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, UHG)
  • Kapitalgesellschaften & Co.

Freiberufler und von der Umsatzsteuer befreite Kleinunternehmer, die lediglich zur einfachen Buchführung in Form einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) verpflichtet sind, müssen keinen Jahresabschluss im Sinne des HGB erstellen. Für Einzelkaufleute gelten Umsatzgrenzen: Wenn sie an den Stichtagen für den Jahresabschluss in zwei aufeinanderfolgenden Jahren Umsätze von maximal 600.000 Euro und Überschüsse/Gewinne von maximal 60.000 Euro erwirtschaftet haben, sind sie von der Bilanzpflicht und folglich auch von der Erstellung des Jahresabschlusses befreit.

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Welche Inhalte umfasst der Jahresabschluss?

Das HGB schreibt vor, dass ein Jahresabschluss mindestens aus der Bilanz des Unternehmens sowie aus einer Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) bestehen muss. Je nach Rechtsform und Unternehmensgröße sind für den Jahresabschluss weitere Bestandteile vorgeschrieben. Wichtig sind hier die Unternehmensgrößenklassen nach § 267 HGB:

  • Kleine bilanzpflichtige Unternehmen erwirtschaften einen Jahresumsatz von maximal 12 Millionen Euro, verfügen über eine maximale Bilanzsumme von sechs Millionen Euro und beschäftigen nicht mehr als 50 Mitarbeiter.
  • Mittelgroße Unternehmen erwirtschaften einen Jahresumsatz von bis zu 40 Millionen Euro, haben eine Bilanzsumme von höchstens 20 Millionen Euro und beschäftigen bis zu 250 Mitarbeiter.
  • Große Unternehmen überschreiten mindestens zwei der drei Kriterien, die für mittelgroße Firmen gelten.

Kapitalgesellschaften sind verpflichtet, einen erweiterten Jahresabschluss zu erstellen, indem sie einen Anhang publizieren, der die einzelnen Posten der Bilanz und der GuV erläutert. Mittelgroße und große Unternehmen unterliegen zusätzlich der Pflicht zur Erstellung eines Lageberichtes, der Angaben zu Chancen und Risiken sowie Prognosen der geschäftlichen Tätigkeit enthält. Der Jahresabschluss börsennotierter Unternehmen muss außerdem einen Eigenkapitalspiegel und eine Kapitalabflussrechnung enthalten. Auf freiwilliger Basis können diese Firmen zusätzlich eine Segmentberichterstattung in ihr Reporting integrieren.

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Bis wann müssen Unternehmen den Jahresabschluss einreichen?

Das HGB gibt die Fristen vor, in denen die unterschiedlichen Größenklassen der bilanzpflichtigen Unternehmen ihren Jahresabschluss erstellen müssen. Das HGB unterscheidet hier zwischen der Handelsbilanz (der inhaltlichen Erstellung des Jahresabschlusses) und der Steuerbilanz (der Übermittlung des Abschlusses an das Finanzamt):

  • Bilanzpflichtige Einzelkaufleute haben nach dem Bilanzstichtag (Abschluss des Geschäftsjahres) für die Erstellung der Handelsbilanz und der Steuerbilanz jeweils zwölf Monate Zeit.
  • Kleine bilanzpflichtige Unternehmen müssen die Handelsbilanz sechs Monate nach dem Stichtag und die Steuerbilanz sieben Monate nach dem Stichtag erstellen. Falls der Jahresabschluss durch einen Steuerberater erstellt wird, haben sie für die Steuerbilanz 14 Monate Zeit.
  • Für mittelgroße und große bilanzpflichtige Unternehmen beträgt die Frist für die Erstellung der Handelsbilanz jeweils drei Monate. Für die Erstellung der Steuerbilanz haben sie ohne Mitwirkung eines Steuerberaters sieben und mit Steuerberater 14 Monate Zeit.

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Wie wird der Jahresabschluss übermittelt?

Seit dem Jahr 2013 müssen bilanzpflichtige Unternehmen ihren Jahresabschluss in digitaler Form über das ELSTER-Portal an das Finanzamt übermittelt werden. Der Jahresabschluss ist die Grundlage für die Ermittlung der Steuerlast des Unternehmens. Die Übermittlung an den Fiskus muss bis zum 31. Mai bzw. wenn ein Steuerberater für die Erstellung des Abschlusses tätig wird, bis zum 31. Dezember des Folgejahres vorgenommen werden.

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Muss der übermittelte Jahresabschluss von einem Steuerberater unterschrieben sein?

Unternehmen können wählen, ob sie ihren Jahresabschluss selbst erstellen oder damit einen Steuerberater beauftragen. Der übermittelte Jahresabschluss muss durch den verantwortlichen Kaufmann unterschrieben werden. Bei Personengesellschaften müssen alle persönlich haftenden Gesellschafter und bei Kapitalgesellschaften alle Geschäftsführer oder Vorstandsmitglieder unterzeichnen. Diese Unterschriftspflicht gilt für die Bilanz, die GuV und gegebenenfalls den Anhang. Eine gesetzliche Pflicht für die Unterzeichnung von Lageberichten ist nicht vorgesehen, jedoch wünschenswert. Für den Steuerberater besteht keine Unterschriftspflicht für den Jahresabschluss.

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Was kostet ein Jahresabschluss beim Steuerberater?

Strikte Vorgaben für die Kosten der Erstellung des Jahresabschlusses durch einen Steuerberater gibt es nicht, jedoch muss sich der Steuerberater dabei an der Gebührenordnung für seinen Berufsstand orientieren. Angemessen ist eine Rechnungstellung auf der Grundlage der Mittelwerte der Gebührenordnung für Steuerberater. Bei besonders aufwändigen oder komplizierten Jahresabschlüssen sind auch höhere Gebühren möglich, sollten durch den Steuerberater jedoch begründet werden. Die Kosten für den Steuerberater richten sich nach dem Gegenstandswert. Bei einem Gegenstandswert von 5.000 Euro werden dafür 316 Euro fällig. Bei einem Gegenstandswert von 80.000 bis 140.000 Euro sind es 1.000 Euro, bei einem Gegenstandswert von 600.000 Euro bekommt der Steuerberater 2.867 Euro. Bei höheren Werten erhöht sich die Rechnung pro angefangene 50.000 Euro jeweils um 126 Euro.

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In welcher Form ist der Jahresabschluss zu publizieren?

Der Jahresabschluss ist nach der Erstellung und eventuellen Prüfung durch einen Wirtschaftsprüfer im Bundesanzeiger zu veröffentlichen oder (bei Kleinstgesellschaften) dort zu hinterlegen.

Zuvor muss die Feststellung des Jahresabschlusses durch Beschluss der Gesellschafterversammlung (Personengesellschaften) oder des Aufsichtsrates und der Hauptversammlung (Kapitalgesellschaften) erfolgen. Mittelgroße und große Personen- und Kapitalgesellschaften müssen ihren Jahresabschluss vor der Feststellung durch einen Abschlussprüfer prüfen lassen. Kleine Unternehmen sowie Gesellschaften, bei denen natürliche Personen als Gesellschafter unbeschränkt mit ihrem Privatvermögen haften, sind von der Prüfungspflicht befreit.

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